STANDPUNKT von Nadja Stadelmann
Vize-Präsidentin SP Kanton Luzern
Um eines gleich vornewegzunehmen: Gegen Fangewalt und Ausschreitungen rund um Fussballspiele sind wir alle. Wir wünschen uns friedliche Spiele unseres Lieblingsvereins und möchten diese in Sicherheit und ohne Angst geniessen können.
Die Mitte hat bereits im Frühling 2023 ihre kantonale Initiative gegen Fangewalt lanciert. Gefordert wurden unter anderem eine ID-Pflicht und personalisierte Tickets sowie die Speicherung der erhobenen Daten, damit diese auf Gesuch der Bewilligungsbehörde herausgegeben werden können. Der Kantonsrat erklärte die Initiative jedoch teilweise für ungültig. Aufgrund übergeordneten Rechts wurden die Speicherung von Zuschauerdaten und die Einführung personalisierter Tickets gestrichen. Die jetzige Initiative fordert nun eine ID-Pflicht beim Stadioneingang, eine Videoüberwachung und sogar eine mögliche Ausweitung auf Fantransporte.
Doch was bringt das wirklich? Im Stadion nützt die Erfassung letztlich wenig, wenn die Daten weder gespeichert noch weitergegeben werden dürfen. Statt immer mehr Vorschriften und Bürokratie zu schaffen, sollten wir uns doch darauf konzentrieren, diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die tatsächlich Krawall machen. Genau deshalb überzeugt mich der Gegenvorschlag der Regierung deutlich mehr. Er sieht eine gesetzlich festgehaltene Videoüberwachung im Stadion, bauliche Sicherheitsmassnahmen und Reisekonzepte für Gästefans vor. Bei Risikospielen sollen zudem die Fanrouten und der Stadioneinlass überwacht werden. Gleichzeitig ist ein regelmässiger Austausch zwischen allen Beteiligten vorgesehen.
Ich unterstütze deshalb den Weg, den unsere Luzerner Sicherheitsdirektorin Ylfete Fanaj eingeschlagen hat, der sich bereits bewährt, und stimme aus Überzeugung JA zum Gegenvorschlag und klar NEIN zur Initiative. Stichfrage: Gegenentwurf.
Denn eines möchte ich nicht: dass am Ende alle Fussballfans unter denjenigen leiden müssen, die sich nicht an Regeln halten. Fussball soll Emotionen, Leidenschaft und Gemeinschaft bedeuten. Verfolgen wir also gezielt die Personen, die tatsächlich Krawall machen, anstatt allen anderen den Fussballbesuch zu erschweren.


